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7 Grün­de für das NEIN

Heu­te in ei­ner Wo­che ist es so­weit: Am 7. März stimmt Bern über den 112-Mil­lio­nen­kre­dit für Ver­kehrs- und Bau­mass­nah­men rund um den Bahn­hof Bern ab.

Zwar sind vie­le des im Kre­dits ent­hal­te­nen Mass­nah­men wich­tig und sinn­voll sind, trotz­dem emp­feh­len wir hier noch ein­mal drin­gend, ein NEIN in die Ur­ne zu le­gen. Weil der aus der Zeit ge­fal­le­nen Be­ton­tun­nel für Fuss­gän­ge­rIn­nen so­wie die Zer­stö­rung der Hir­schen­gra­ben-Park­an­la­ge ver­hin­dert wer­den müssen.

Da­mit wird nicht nur ein ver­kehrs­tech­ni­scher Murks, son­dern auch ein städ­te­bau­li­ches De­sas­ter ver­hin­dert. Die 36 Mil­lio­nen Fran­ken, die für den Be­ton­tun­nel und die «Um­be­stal­tung des Hir­schen­gra­bens» bud­ge­tiert sind, kön­nen und müs­sen sinn­vol­ler ein­ge­setzt werden!

Bei ei­nem NEIN wird die Stadt bald ei­nen neu­en Vor­schlag aus­ar­bei­ten, der – so ist zu hof­fen – die in den letz­ten Wo­chen auf­ge­zeig­ten Lö­sungs­an­sät­ze und Al­ter­na­ti­ven berücksichtigt.

Die Chan­ce be­steht, dass da­mit nicht nur Geld ge­spart wird, son­der ei­ne ganz­heit­li­che­re, nach­hal­ti­ge­re und städ­te­bau­lich wür­di­ge­re Lö­sung ge­fun­den wird.

Hier für al­le Zö­gern­den noch ein­mal als Zu­sam­men­fas­sung 7 wich­ti­ge Grün­de, wes­halb wir drin­gend ein NEIN empfehlen:

 

  • Den 36 Mil­lio­nen teu­ren Per­so­nen­tun­nel in den Hir­schen­gra­ben braucht es nicht – es gibt bes­se­re und güns­ti­ge­re Lösungen.

 

  • Fuss­gän­ge­rIn­nen ge­hö­ren ans Tageslicht.

 

  • Ein 25 Me­ter brei­ter Ze­bra­strei­fen über den Bu­ben­berg­platz, wo das Ver­kehrs­vo­lu­men um 60 Pro­zent re­du­ziert wird, ist mach­bar, sinn­vol­ler und güns­ti­ger. Die­se Lö­sung wur­de von den Be­hör­den in ih­rer Pla­nung so nie geprüft.

 

  • Der Hir­schen­gra­ben wur­de im 19. Jahr­hun­dert ge­stal­tet und ist die wich­tigs­te Platz­schöp­fung der Stadt Bern aus die­ser Zeit. Er ist Teil des UNESCO-Welt­kul­tur­er­bes und ge­niesst ei­nen be­son­de­ren Schutz. Das Ab­hol­zen der Bäu­me, die Ver­set­zung des Denk­mals und der Ein­bau ei­ner Trep­pen­an­la­ge mit Lift zer­stö­ren die Parkanlage.

 

  • Der Hir­schen­gra­ben hat Po­ten­zi­al zum grü­nen, ur­ba­nen Treff­punkt in Bahn­hofs­nä­he. Dar­an man­gelt es in Bern. Des­halb statt ab­hol­zen und zum ÖV-Per­ron de­gra­die­ren: Auf­räu­men und vom ge­gen­wär­ti­gen Ve­lo- und ÖV-Cha­os entlasten.

 

  • Der ge­plan­te Fuss­gän­ge­rIn­nen­tun­nel und die da­mit ver­bun­de­ne Zer­stö­rung der his­to­ri­schen Park­an­la­ge im Hir­schen­gra­ben ver­hin­dern lang­fris­tig ei­ne städ­te­bau­lich sinn­vol­le gu­te Ent­wick­lung rund um den Bahn­hof Bern.

 

  • Das NEIN zum 112-Mil­lio­nen­kre­dit macht den Weg frei für die drin­gend not­wen­di­ge Ge­samt­pla­nung des Ber­ner Bahn­hofs­ge­biet, wie sie un­ter an­de­ren auch die Ar­chi­tek­ten- und Pla­ner­ver­bän­de ge­for­dert haben.

 

 

WICH­TIG ZU WISSEN:

 

  • Die Ab­stim­mung tan­giert in kei­ner Art und Wei­se den Um­bau des Bahn­hofs von SBB und RBS: De­ren Ar­bei­ten und der neue Aus­gang Bu­ben­berg­platz wer­den wie ge­plant fer­tig ge­stellt – auch oh­ne Fuss­gän­ger­tun­nel und Zer­stö­rung des Hirschengrabens!

 

  • Die Um­stei­ge­we­ge wür­den mit dem Fuss­gän­ger­tun­nel und der Ver­set­zung des Bu­ben­berg­denk­mals in die Mit­te des Hir­schen­gra­ben­parks nicht ein­fa­cher und si­che­rer – im Gegenteil.

 

  • Bei ei­nem NEIN zum 112-Mil­lio­nen­kre­dit dro­hen we­der Ver­kehrs­zu­sam­men­bruch noch Cha­os: Die Stadt müss­te schlicht und ein­fach nach­bes­sern und dem Volk ei­ne neue, bes­se­re Va­ri­an­te zur Ab­stim­mung vor­le­gen. Das ist mög­lich – die Zeit reicht, Al­ter­na­ti­ven lie­gen vor – dies al­les wur­de in den letz­ten Wo­chen und Ta­gen plau­si­bel aufgezeigt.

 

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu all die­sen Punk­ten auf die­ser Web­site und auf

www.hirschengraben.be

 

 


 

 

 

Zu­erst der Tun­nel, dann die Velostation:

Ein klas­si­scher Fall von Sa­la­mi­tak­tik

Ei­gent­lich kann man die un­glück­li­che Ent­ste­hung des «Bau­steins 2» – das 36 Mil­lio­nen teu­re Pro­jekt «Per­so­nen­un­ter­füh­rung und Um­nut­zung Hir­schen­gra­ben in ein Tram­per­ron» – in zwei Sät­zen erklären:

Der für «Bau­stein 2» ge­for­der­te Bau­kre­dit ist nichts an­de­res als die vor­ge­zo­ge­ne Fi­nan­zie­rung ei­nes Teils der von der Stadt ge­plan­ten rie­si­gen Ve­lo­sta­ti­on un­ter dem Hir­schen­gra­ben, mit dem da­für not­wen­di­gen un­ter­ir­di­schen Di­rekt­zu­gang zum Bahn­hof so­wie den Bau­stel­len­an­fangs- und ‑ab­schluss­ar­bei­ten, in­klu­si­ve Ro­dung der Kas­ta­ni­en­bäu­me und De­mon­ta­ge des Bu­ben­berg-Denk­mals (zu Be­ginn der Bau­ar­bei­ten), so­wie der Wie­der­be­pflan­zung über dem Be­ton­de­ckel (am Schluss).

War­um wur­den die­se Tei­le des Bau­kre­dits von dem ei­gent­li­chen Bau­kre­dit für die Ve­lo­sta­ti­on ab­ge­spal­ten, der vor­aus­sicht­lich in zwei Jah­ren zur Ab­stim­mung vor­ge­legt wer­den soll?

Die Ant­wort dar­auf ist sim­pel: Ad­diert man die Kos­ten (36 Mil­lio­nen), über die wir am 7. März ab­stim­men, mit den di­rek­ten Er­stel­lungs­kos­ten der Ve­lo­sta­ti­on (40 Mil­lio­nen), wird so­fort klar, wie un­glaub­lich teu­er das Gan­ze wür­de: Die Bau­kos­ten be­lau­fen sich auf  76 Mil­lio­nen Schwei­zer Fran­ken – dies macht bei 3000 ge­plan­ten Ve­lo­park­plät­zen PRO PLATZ sa­ge und schrei­be CHF 25’000!

Die Ve­lo­sta­ti­on ist aber nicht nur aus fi­nan­zi­el­len Grün­den ein Luft­schloss-Pro­jekt. Weil sie in ei­nem hoch­ge­schütz­ten Stadt­raum ge­baut wer­den soll, der na­tio­nal un­ter ISOS-Schutz steht und Teil des UNESCO-Welt­kul­tur­er­bes ist, lob­by­iert der Ge­mein­de­rat ge­gen­wär­tig beim Bun­des­amt für Kul­tur für ei­ne Son­der­be­wil­li­gung und de­mon­tiert da­mit den Schutz sei­ner ei­ge­nen Stadt. Das von den Be­hör­den er­hoff­te JA für die Fi­nan­zie­rung von Un­ter­füh­rung und Um­ge­stal­tung Hir­schen­gra­ben­platz, so das Kal­kül der Stadt, wür­de ein Prä­ju­diz schaf­fen, dem sich auch der Denk­mal­schutz nicht wi­der­set­zen könnte…

Ve­lo­sta­ti­on und Un­ter­füh­rung be­din­gen sich ge­gen­sei­tig. Bei­des muss zwin­gend gleich­zei­tig ge­baut wer­den. Des­halb macht es kei­nen Sinn und ist ei­ne Zu­mu­tung für die Stimm­be­völ­ke­rung, dass se­pa­rat zu­erst über die Un­ter­füh­rung und erst zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt über die Ve­lo­sta­ti­on am glei­chen Ort ab­ge­stimmt wer­den soll. Das gan­ze Bau­vor­ha­ben ge­hört in ei­ne ein­zi­ge Vorlage!

Gleich­zei­tig wird klar: Die Stadt kann gar nicht auf das An­ge­bot ei­nes na­he­zu kos­ten­los zu ver­brei­tern­den Fuss­gän­ger­strei­fens ein­tre­ten, wie er von Ar­chi­tek­ten und Pla­nern vor­ge­schla­gen wird. Weil sie in ih­rer ei­ge­nen bau­ern­schlau­en Tak­tik zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Luft­schlos­ses (Me­ga-Ve­lo­sta­ti­on) ver­strickt ist und glaubt, das Ge­sicht zu ver­lie­ren, wenn sie jetzt plötz­lich zu­ge­ben wür­de, dass es die Un­ter­füh­rung ver­kehrs­tech­nisch gar nicht braucht und sie nur aus tak­ti­schen Grün­den ins ak­tu­el­le Ver­kehrs­vor­la­gen­pa­ket ver­packt wur­de… das – oh­ne die ver­steck­te Ve­l­o­agen­da – für 76 Mio statt 112 Mio zu ha­ben wäre….

 

 


 

 

Ge­mein­sa­me Emp­feh­lung der Planungsverbände:

NEIN zum 112-Millionenkredit

Knapp zwei Wo­chen vor der Ab­stim­mung vo­tie­ren die Pla­nungs­ver­bän­de SIA, BSA, FSAI und SWB mit ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung für ein NEIN am 7. März. Ar­chi­tek­tIn­nen, Pla­ne­rIn­nen und In­ge­nieu­rIn­nen be­kräf­ti­gen da­mit ih­re Kri­tik an der städ­ti­schen Pla­nung im Zu­sam­men­hang mit dem Aus­bau des Bahn­hofs Berns.

Kri­tik no­ta­be­ne, die nicht neu ist, wie die Ver­bän­de in ih­rem Schrei­ben un­ter­strei­chen: Be­reits in der Ver­gan­gen­heit und auch im Rah­men der Mit­wir­kung hät­ten die Fach­ver­bän­de im­mer wie­der auf Pro­ble­me und die Not­wen­dig­keit ei­ner Ge­samt­sicht hingewiesen.

Kon­kret be­män­geln sie, dass sich die ak­tu­el­le Vor­la­ge weit­ge­hend auf Ver­kehrsaspek­te be­schrän­ke. Die­se be­tref­fen den ge­sam­ten öf­fent­li­chen Raum zwi­schen Ci­ty West, Hir­schen­gra­ben und Bu­ben­berg­platz bis zum Boll­werk – ei­nen Raum, «der von zen­tra­ler Be­deu­tung für die Men­schen und Be­su­cher der Stadt Bern ist. Hier gilt es, Gül­ti­ges zu schaf­fen, das weit über kurz­fris­ti­ge In­ter­es­sen hin­aus Be­stand hat und als Tor zur Welt­kul­tur­er­be-Stadt Bern be­geis­tern kann.»

In ei­ne pla­ne­ri­sche Ge­samt­sicht müss­ten, nebst städ­te­bau­li­chen und ge­stal­te­ri­schen An­lie­gen, auch Fra­gen wie die Eta­blie­rung ei­ner zwei­ten Tra­mach­se, die Mög­lich­kei­ten ei­nes vom pri­va­ten Ver­kehr be­frei­ten Bu­ben­berg­plat­zes oder die bes­se­re räum­li­che An­bin­dung der Läng­gas­se einfliessen.

Die ak­tu­el­le Vor­la­ge klam­mert die­se Aspek­te aus. Da­mit lau­fe man Ge­fahr, so die Fach­ver­bän­de, «dass heu­te ge­trof­fe­ne Mass­nah­men ob­so­let wer­den oder zu­künf­ti­ge Chan­cen verhindern.»

Dies ist dop­pelt stos­send, da die Stadt Bern ja be­kannt­lich für 2035 ei­ne sol­che Ge­samt­sicht in Aus­sicht ge­stellt hat. Der Zwi­schen­be­richt zum ak­tu­el­len Stand die­ser Pla­nung wur­de erst letz­te Wo­che und auf Druck öf­fent­lich ge­macht. Da­zu schrei­ben die Fach­ver­bän­de: «Es ist für uns nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb die­ser Be­richt erst im lau­fen­den Ab­stim­mungs­ver­fah­ren kom­mu­ni­ziert wor­den ist und wes­halb die­se Pla­nung nicht dring­lich zu­min­dest so­weit vor­an­ge­trie­ben wird, dass In­ves­ti­tio­nen in den Aus­bau des Bahn­hofs ko­or­di­niert er­fol­gen kön­nen und über­prüf­bar sind.»

Zu­sam­men­fas­send be­zeich­nen die Fach­ver­bän­de die Vor­la­ge als un­aus­ge­reift und emp­feh­len sie des­halb zur Ab­leh­nung. Gleich­zei­tig bie­ten sie Hand zur «kon­struk­ti­ven Mit­ar­beit» auf der Su­che nach rasch um­setz­ba­ren Lö­sun­gen nach dem 7. März – ver­bun­den mit ei­ner kla­ren Mes­sa­ge an die Stadt: «Der heu­te un­be­frie­di­gen­de Zu­stand des Bahn­hofs zeigt aber lei­der zu gut, dass Bau- und Ver­kehrs­mass­nah­men nur un­ter ganz­heit­li­cher Be­rück­sich­ti­gung städ­te­bau­li­cher, denk­mal­pfle­ge­ri­scher und ver­kehrs­tech­ni­scher Aspek­te zu­kunfts­fä­hig sind. Da­zu braucht es ein ge­stal­te­ri­sches Leit­bild für die Ent­wick­lung des ge­sam­ten Stadtraums.»

 

 

 


 

 

 

 


 

 

Mit dem ÖV ins Abseits

Au­to­bah­nen sind schlecht, ÖV und Ve­lo sind gut. Des­halb muss man ers­te­re be­kämp­fen, wäh­rend der öf­fent­li­che Ver­kehr und die An­ge­bo­te für Ve­lo­fah­ren­de zu för­dern sind – kos­te es, was es wol­le. Mit­un­ter so­gar das Um­sä­gen von 25 Bäu­men im Welt­kul­tur­er­be-Sek­tor der Stadt Bern.… Die­ses all­zu ein­fa­che Welt­bild prägt ak­tu­ell die RGM-Ver­kehrs­po­li­tik in Bern.

Er­schre­ckend, mit wel­cher Stur­heit vie­le Grü­ne ge­gen­wär­tig ein un­nö­ti­ges und zer­stö­re­ri­sches Be­ton­pro­jekt ver­tei­di­gen, dem ei­ne gan­ze Al­lee statt­li­cher Kas­ta­ni­en­bäu­me ge­op­fert wer­den soll. Man­gels stich­hal­ti­ger Ar­gu­men­te pre­di­gen sie da­bei man­tra­haft den wei­te­ren Aus­bau des öf­fent­li­chen Ver­kehrs und pro­phe­zei­en ziem­lich fak­ten­fern ei­nen Pend­lerts­u­na­mi, wenn der­einst SBB und RBS den Bahn­hof aus­ge­baut ha­ben wer­den. Als ob mit ei­nem Be­ton­tun­nel und der Ab­hol­zung von Stadt­bäu­men die gros­se Ver­kehrs­wen­de zu be­werk­stel­li­gen wäre…

Aus­ge­rech­net die Grü­nen, die einst an­ge­tre­ten sind, für Um­welt, Na­tur und Nach­hal­tig­keit zu kämp­fen, ver­tei­di­gen die­sen Un­sinn. Ver­ges­sen die Be­deu­tung von Bio­di­ver­si­tät und Öko­lo­gie, auch in der ei­ge­nen Stadt. Ver­ges­sen der Ruf nach um­welt­ver­träg­li­cher Ent­wick­lung und Nachhaltigkeit.

Weil es sich beim Aus­bau des Ber­ner Bahn­hofs und dem in die­sem Rah­men ge­plan­ten zu­sätz­li­chen Fuss­gän­ge­rIn­nen­tun­nel um ein ÖV-Pro­jekt han­delt, nickt Grün ab, winkt durch. Kri­ti­sche Fra­gen und Ein­wän­de un­er­wünscht, für die ver­ur­teil­ten Bäu­me gibt’s höchs­tens ein paar Kro­ko­dils­trä­nen. Mit dem ÖV ins Pa­ra­dies – al­so Au­gen zu und durch.

Ent­täu­schend, wie sich Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­ker, die Auf­bruch, En­ga­ge­ment und Er­neue­run­gen ver­spro­chen ha­ben, hin­ter vor­ge­scho­be­nen Sach­zwän­gen ver­ste­cken und den Ar­gu­men­ten und Al­ter­na­tiv­vor­schlä­gen aus­ge­wie­se­ner Fach­leu­te aus­wei­chen. Dis­kus­si­on? Fehl­alarm. Die un­aus­ge­go­re­ne Kre­dit-Vor­la­ge wird bis zum Geh­t­nicht­mehr schön­ge­re­det. Wer im­mer noch Ein­wän­de hat, wird dar­auf hin­ge­wie­sen, sich doch bes­ser für die Ver­hin­de­rung ei­ner 6spurigen A1 oder ein Mo­ra­to­ri­um für Au­to­bahn­aus­bau­ten ein­zu­set­zen. Punktschluss.

So nicht, lie­be Grü­ne. Zum Glück seid ihr nicht die ein­zi­ge Par­tei in der Stadt, die Grün in ih­rem Na­men trägt. Die klei­ne Grün al­ter­na­ti­ve Par­tei hat in Sa­chen Hir­schen­gra­ben von An­fang an Far­be be­kannt und sich für den Schutz der Bäu­me en­ga­giert und im Ko­mi­tee «Ret­tet den Hir­schen­gra­ben» an der Er­ar­bei­tung von Al­ter­na­ti­ven mitgewirkt.

Die an­de­re Schwes­ter­par­tei, die Grü­ne Freie Lis­te wie­der­um, hat eben­falls Stär­ke ge­zeigt: Mit ei­nem kla­ren Auf­ruf zum «kon­struk­ti­ven Nein» setzt sich ei­ne Mehr­heit der Mit­glie­der da­für ein, dass der Fuss­gän­ger­tun­nel und die Baum­fäll­ak­ti­on am Hir­schen­gra­ben mit ei­nem NEIN am 7. März ver­hin­dert werden.

Nur bei den «gros­sen» Grü­nen blät­tert lang­sam die Far­be ab. Schade.

 

 


 

 

 

 


 

 

Kein Durch­kom­men am Hirschengraben

Von Sei­ten der Fuss­gän­ger­tun­nel-Pro­mo­to­rIn­nen wird im­mer wie­der be­haup­tet, die Ver­bin­dun­gen zum ÖV-Netz im Hir­schen­gra­ben wür­den ein­fa­cher und be­que­mer mit dem städ­ti­schen ZBB-An­schluss­pro­jekt, weil man künf­tig tro­cke­nen Fus­ses den Bu­ben­berg­platz un­ter­ir­disch que­ren und so bis in den Hir­schen­gra­ben­park ge­lan­gen kön­ne. Und um­ge­kehrt kön­ne, wer von Sü­den her kom­me be­reits im Hir­schen­gra­ben in den Bahn­hof hinuntersteigen.

Wer die Ört­lich­kei­ten und das ÖV-An­ge­bot am Hir­schen­gra­ben kennt, weiss je­doch: Ein­zig die Hal­te­sta­ti­on für die stadt­ein­wärts fah­ren­den Trams wä­ren vom Tun­nel­aus­gang her di­rekt zu erreichen.

Für al­le an­de­ren Ver­bin­dun­gen, das heisst, für sämt­li­che Tram­kur­se Rich­tung Sü­den und Wes­ten, führt der Tun­nel in ei­ne Sack­gas­se. Um die­se Hal­te­stel­len zu er­rei­chen, müss­te man die Fahr­bahn que­ren, was im Os­ten für die stadt­ein­wärts fah­ren­den Bus­se noch ge­ra­de mach­bar wä­re. Un­mög­lich ist die Si­tua­ti­on aber de­fi­ni­tiv für al­le stadt­aus­wärts fah­ren­den Tramanschlüsse.

Wer im Hir­schen­gra­ben aus dem Tun­nel steigt (= die gros­se Mehr­heit der an­kom­men­den Pend­le­rIn­nen am Mor­gen), muss um ein Tram Rich­tung Weis­sen­bühl, Wa­bern, Brün­nen, Büm­pliz oder Fi­scher­mät­te­li zu er­rei­chen, die dop­pel­ten Tram­glei­se im Wes­ten des Plat­zes que­ren. Das ist schon heu­te ein prak­tisch un­mög­li­ches Un­ter­fan­gen: In bei­de Rich­tun­gen folgt hier näm­lich Tram auf Tram, so dass für Fuss­gän­ge­rIn­nen kaum ein Durch­kom­men ist.

Zu­sätz­lich er­schwe­rend kommt beim «um­ge­stal­te­ten Hir­schen­gra­ben» hin­zu, dass die Rand­stein­kan­ten an den Hal­te­stel­len neu 27cm hoch sein wer­den. Das ist zwar gut für den bar­rie­re­frei­en Ein­stieg ins Tram, er­weist sich aber fürs Que­ren der Hal­te­stel­len als äus­serst müh­sam, für Kin­der­wa­gen und geh­be­hin­der­te Men­schen gar als unmöglich.

Kurz­um: Der Hir­schen­gra­ben­tun­nel wä­re, schon nur durch sei­ne Stre­cken­füh­rung, ei­ne Tot­ge­burt. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, wie Pla­ner auf die Idee ge­kom­men sind, «40 Pro­zent der Fuss­gän­ger­strö­me» am Bu­ben­berg­platz ins Ab­seits zu len­ken und zu glau­ben, dass die Pend­le­rIn­nen das nicht in kür­zes­ter Zeit mer­ken und die Un­ter­füh­rung da­her mei­den werden.

Wer den Bahn­hof im Wes­ten ver­lässt, sei es über die Wel­le oder den künf­ti­gen Aus­gang Bu­ben­berg­platz, quert den Platz über den Fuss­gän­ger­strei­fen. Da be­wegt man sich nicht nur am Ta­ges­licht, son­dern hat auch die Über­sicht und kann sei­ne Schrit­te recht­zei­tig in die ge­woll­te Rich­tung lenken.

Wie in den letz­ten Ta­gen vom Ver­kehrs­pla­ner Pierre Pes­ta­loz­zi und wei­te­ren Fach­leu­ten nach­ge­wie­sen wur­de, kann das be­haup­te­te Ka­pa­zi­täts­pro­blem mit der Re­duk­ti­on des Pri­vat­ver­kehrs um min­des­tens 50 Pro­zent und der Ver­brei­te­rung des Fuss­gän­ger­strei­fens nach­hal­tig ge­löst werden.

Die Un­ter­füh­rung in den Hir­schen­gra­ben ist nicht nur un­nö­tig, son­dern führt die Fuss­gän­ge­rin­nen und Fuss­gän­ger ins Nie­mands­land. Sie lan­den vom Bahn­hof her auf ei­ner Ver­kehrs­platt­form, von der sie von den im Mi­nu­ten­takt ein- und aus­fah­ren­den Trams aus­ge­bremst wer­den.… Das kann nicht sein.

Des­halb am 7. März: NEIN zum 112-Mil­lio­nen­kre­dit – Bern kanns besser!

 

 


 

 

 

 


 

 

 

 


 

 

Schrä­ge Bauherren-Logik

Heu­te do­mi­nie­ren die Me­tall-Glas­fas­sa­den von zwei ge­sichts­lo­sen Ge­schäfts­häu­sern aus der Hoch­kon­junk­tur­zeit den Bu­ben­berg­platz. Dem Bau des Bu­ben­berg­zen­trums wur­de in den 1960er und 1970er Jah­ren ei­ne gan­ze Häu­ser­zei­le «mit herr­schaft­li­chen Woh­nun­gen und La­den­ge­schäf­ten im Par­terre» ge­op­fert, wie der da­ma­li­ge Bund-Wirt­schafts­re­dak­tor Hans Ger­ber 1994 in ei­ner Bund-Spe­zi­al­aus­ga­be zum Bu­ben­berg­platz schreibt.

Aus heu­ti­ger Sicht, so Ger­ber, «wä­ren die­se Ju­gend­stil­häu­ser mit ih­ren Er­kern und Ba­lus­tra­den, die fast so ein­drucks­voll ge­wirkt ha­ben muss­ten wie die stil­voll re­no­vier­ten Häu­ser am Fal­ken­platz in der Vor­de­ren Läng­gas­se, nie ab­ge­bro­chen wor­den um mo­der­nen Ge­schäfts­häu­sern in eher kon­ven­tio­nel­lem Stil, wie sie da­mals in al­len Städ­ten em­por­schos­sen, Platz zu ma­chen.»

Sol­che Fehl­ent­schei­de, die über 60 Jah­re zu­rück­lie­gen so­wie die dar­aus her­vor­ge­gan­ge­nen Bau­sün­den, kön­nen nicht wie­der­gut­ge­macht wer­den. An­ge­zeigt wä­re hin­ge­gen, dass man aus Feh­lern lernt – und ein nächs­tes Mal klü­ger handelt.

Lei­der ist das in der Stadt Bern, zu­min­dest in Be­zug auf das Bu­ben­berg­zen­trum, nicht der Fall. Im Ge­gen­teil: Mit dem ge­plan­ten Ab­riss und Wie­der­auf­bau des jün­ge­ren der bei­den Ge­schäfts­häu­ser, wie­der­holt man al­te Feh­ler – und ver­passt ei­ne ein­ma­li­ge Chan­ce, dem Bu­ben­berg­platz auf lan­ge Sicht sei­ne ehe­ma­li­ge iko­ni­sche Aus­strah­lung zu­rück­zu­ge­ben. Zwei­mal den­sel­ben Feh­ler zu be­ge­hen ist un­ver­zeih­lich, oder – wie die Rö­mer schon wuss­ten – des Teufels.

 

Was künf­tig am neu­en Haupt­zu­gang zum zweit­gröss­ten Bahn­hof der Schweiz ge­plant ist, ent­spricht ei­ner ziem­lich schrä­gen Bauherren-Logik:

2016 kauf­ten die SBB die west­li­che Hälf­te des Bu­ben­berg­zen­trums. Es han­delt sich da­bei um das jün­ge­re der bei­den Ge­bäu­de, wel­ches 1975 von den Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten La Su­is­se und der Bas­ler ge­baut wur­de. Weil die SBB ge­nau an des­sen Stel­le den neu­en Bahn­hof-Zu­gang pla­nen, wol­len sie nun das Ge­bäu­de ab­reis­sen und im glei­chen Stil wie­der hoch­zie­hen. Aus ei­nem la­pi­da­ren Grund:

Die Kom­bi­na­ti­on von künf­ti­gem SBB-Bahn­hof­aus­gang im Un­ter- und Erd­ge­schoss des Ge­bäu­des und städ­ti­schem Fuss­gän­ger­tun­nel als Ver­län­ge­rung der un­ter­ir­di­schen Per­so­nen­füh­rung bis zum Hir­schen­gra­ben, er­for­dert ei­nen Neubau.

Die öst­li­che, äl­te­re Hälf­te des Bu­ben­berg­zen­trums (Bau­jahr 1962) hin­ge­gen bleibt vor­läu­fig be­stehen. Dem Ver­neh­men nach woll­ten de­ren Ei­gen­tü­mer nicht ver­kau­fen. Da­mit steht man heu­te vor ei­ner un­glaub­lich ab­sur­den Si­tua­ti­on: Ei­gent­lich wä­re ei­ne Auf­wer­tung die­ser zen­tra­len Adres­se mit dem neu­en Bahn­hof­zu­gang drin­gend not­wen­dig – und im Be­reich des Mög­li­chen ge­we­sen. Mit dem ge­plan­ten Neu­bau hin­ge­gen wird die­se Chan­ce ver­spielt und ein Zu­stand ze­men­tiert, der künf­tig wie­der neue Sach­zwän­ge schafft, statt Lö­sun­gen ermöglicht.

Den bei­den un­at­trak­ti­ven Ge­schäfts­häu­sern des heu­ti­gen Bu­ben­berg­zen­trums wird ei­ne Le­bens­dau­er von rund 70 Jah­ren at­tes­tiert. Wenn nun das jün­ge­re Ge­bäu­de be­reits nach 45 Jah­ren ab­ge­ris­sen und städ­te­bau­lich der äl­te­ren Lie­gen­schaft an­ge­passt wird, was ist dann in 10 bis 20 Jah­ren zu er­war­ten, wenn die Le­bens­zeit des Bu­ben­berg­zen­trums-Ost abläuft?

Nach Ber­ner Lo­gik wohl er­neut ein Er­satz­neu­bau, an­ge­passt an das be­stehen­de  Nach­bar­ge­bäu­de, usw. usf.

 

 


 

 

Auf den Punkt gebracht

Der Ab­stim­mungs­fly­er fasst die wich­tigs­ten Ar­gu­men­te für das NEIN zum 112-Mil­lio­nen­kre­dit für die An­pas­sungs­mass­nah­men an den neu­en Bahn­hof Bern kurz und bün­dig zusammen:

 

Auf bernkannsbesser.ch und in al­len Ber­ner Briefkästen…

 

 


 

 

Über­hol­te Prognosen

«Mo­dell­rech­nun­gen zu­fol­ge wer­den in der Abend­spit­ze künf­tig über 16’000 Per­so­nen pro Stun­de den Bu­ben­berg­platz über­que­ren», heisst es in der Ab­stim­mungs­bot­schaft zum 112-Mil­lio­nen­kre­dit, über den Ber­ne­rin­nen und Ber­ner am 7. März ab­stim­men wer­den. Des­halb brau­che es zwin­gend ei­ne un­ter­ir­di­sche Er­wei­te­rung beim künf­ti­gen Bahn­hof­aus­gang Bu­ben­berg­platz, sonst ge­be es ober­ir­disch «kein Durch­kom­men mehr», tönt es von Sei­ten der Be­für­wor­te­rIn­nen die­ser Vor­la­ge. Oder in Wor­ten des Stadt­prä­si­den­ten: «Ein Puff».

Die­se Be­haup­tung ist rei­ne Panikmache:

Die ge­nann­ten über 16’000 Per­so­nen pro Stun­de wür­den – wenn über­haupt – nur wäh­rend we­ni­gen Mi­nu­ten Stoss­ver­kehr pro Tag er­reicht. An­sons­ten war und ist es am Bu­ben­berg­platz ru­hig bis sehr ru­hig – das wird sich auch in Zu­kunft nicht we­sent­lich än­dern. Da­her wä­re der Bau des ge­plan­ten Per­so­nen­tun­nels fi­nan­zi­ell völ­lig un­ver­hält­nis­mäs­sig und ei­ne rei­ne Geldverschwendung.

Die An­nah­men, auf de­nen die Mo­del­le ba­sie­ren, sind oh­ne­hin Ma­ku­la­tur ge­wor­den. Die seit März 2020 in­fol­ge des Lock­downs ver­sieg­ten Pend­ler­strö­me er­reich­ten seit­her nicht ein­mal an­satz­wei­se frü­he­re Wer­te. Die Sta­tis­tik lässt Wachs­tums­pro­phe­ten er­blei­chen. Die er­ho­be­nen Zah­len zum öf­fent­li­chen Ver­kehr könn­ten deut­li­cher nicht sein: Im vier­ten Quar­tal 2020 wur­den in der Schweiz ins­ge­samt 44 Pro­zent we­ni­ger Per­so­nen­ki­lo­me­ter im ÖV zu­rück­ge­legt als im Jahr zuvor.

Be­son­ders stark be­trof­fen ist der Fern­ver­kehr: Die SBB be­klag­ten ei­nen Rück­gang von 50 Pro­zent, der Re­gio­nal­ver­kehr schrumpf­te um 40 Prozent.

Fest steht: Das ist kein mo­men­ta­ner Trend. Mit der zu­neh­men­den Eta­blie­rung von Ho­me­of­fice und dem letz­te Wo­che vom Bun­des­rat be­schlos­se­nen er­neu­ten An­lauf zur Ein­füh­rung von Mo­bi­li­ty Pri­cing, sind die für den Bahn­hof Bern in Vor-Co­ro­na-Zei­ten be­rech­ne­ten Wachs­tums­zah­len de­fi­ni­tiv un­brauch­bar geworden.

Dies bie­tet die Chan­ce, den über­flüs­sig ge­wor­de­nen Fuss­gän­ger­tun­nel zum Hir­schen­gra­ben er­satz­los zu strei­chen. Weil es die­sen als Not­ven­til pro­pa­gier­ten un­ter­ir­di­schen Über­lauf­ka­nal schlicht und ein­fach nicht braucht.

Scha­de, dass Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­ker das nicht be­grei­fen wol­len. Statt­des­sen hal­ten sie am Nar­ra­tiv des un­wei­ger­lich dro­hen­den Ver­kehrs­kol­lap­ses fest – und wol­len den Tun­nel in­klu­si­ve Kahl­schlag am Hir­schen­gra­ben auf Teu­fel komm raus durchstieren.

Wür­den die Stadt­obe­ren red­lich kom­mu­ni­zie­ren, müss­ten sie ih­re Ver­kehrs­pro­gno­sen nach un­ten kor­ri­gie­ren. Nicht nur je­ne, wel­che die Bahn­pas­sa­gie­re be­tref­fen. Dem Tun­nel­pro­jekt lie­gen auch enor­me Wachs­tums­pro­gno­sen für den Auto‑, Ve­lo- und öf­fent­li­chen Ver­kehr zu­grun­de, die für die Nach-Co­ro­na-Zeit eben­falls an­ge­passt wer­den müssten.

Im­mer grös­ser, im­mer teu­rer, im­mer mehr, ha­ben aus­ge­dient. Die­se Er­kennt­nis ist die Vor­aus­set­zung für die von der rot-grü­nen Stadt­re­gie­rung so oft ge­prie­se­ne nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung. Nur so kann die Stadt Bern ih­re ehr­gei­zi­gen Kli­ma­zie­le auch tat­säch­lich erreichen.

 

 


 

 

Kei­ne Chan­ce für ei­ne Ve­lo­sta­ti­on am Hirschengraben

Die Eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­si­on für Denk­mal­pfle­ge schreibt in ih­rem Gut­ach­ten vom Sep­tem­ber 2018 Klartext:

«Die EKD empfiehlt,

●  auf ei­ne voll­stän­di­ge wie auch auf ei­ne teil­wei­se Un­ter­bau­ung im Pe­ri­me­ter ‘Hir­schen­gra­ben’ zu verzichten;
●  die Be­pflan­zung ist zu erhalten.
●  Baum­pfle­ge­risch not­wen­di­ge Er­satz­pflan­zun­gen sind ge­mäss dem his­to­ri­schen Be­stand vorzunehmen.»

 

Da­mit ist die von der Stadt ge­plan­te Me­ga-Ve­lo­sta­ti­on un­ter dem Hir­schen­gra­ben-Platz vom Tisch. Wür­de man den­ken. Eben­so der Per­so­nen­tun­nel, denn die­ser wür­de mit­ten auf ei­ner leer­ge­räum­ten Ver­kehrs­platt­form en­den. Fuss­gän­ge­rIn­nen müss­ten zwin­gend – in wel­che Rich­tung auch im­mer – die stark fre­quen­tier­ten Tram- und Bus­fahr­bah­nen über­que­ren. Beim Um­stei­gen auf Bus oder Tram eben­so. Kurz­um: Der Tun­nel wür­de bei der Um­set­zung der heu­ti­gen Pla­nung in ei­ne ve­ri­ta­ble Sack­gas­se füh­ren. Kur­ze We­ge se­hen an­ders aus.

Sinn ma­chen wür­de der Tun­nel ein­zig und al­lein in Kom­bi­na­ti­on mit der Ve­lo­sta­ti­on un­ter dem Hir­schen­gra­ben­park. Die­se war denn auch Teil des Mit­wir­kungs­ver­fah­rens von 2019. Aus der ak­tu­el­len Kre­dit­vor­la­ge wur­de sie nun aus­ge­klam­mert. Aus tak­ti­schen Grün­den, darf ver­mu­tet wer­den: Noch steht näm­lich das kla­re Ver­dikt der EKD dem Ve­lo­par­king im Weg. Zu­dem hät­ten die In­ves­ti­ti­ons­kos­ten für ei­ne zwei­ge­schos­si­ge Ve­lo­sta­ti­on den ak­tu­ell be­an­trag­ten Kre­dit um min­des­tens 50 Mil­lio­nen auf über 160 Mil­lio­nen CHF verteuert.

Wür­den die Stimm­bür­ge­rin­nen und Stimm­bür­ger am 7. März je­doch den von der Stadt be­an­trag­ten 112-Mil­lio­nen­kre­dit durch­win­ken, wä­ren da­mit schon mal der Zu­gang zur Ve­lo­sta­ti­on (Fuss­gän­ge­rIn­nen­tun­nel) und ihr De­ckel (Ab­räu­men und Um­ge­stal­tung des ge­sam­ten Hir­schen­gra­bens) vor­fi­nan­ziert. Und ein fait ac­com­pli geschaffen.

Mit die­sem dreis­ten Vor­ge­hen soll das Pro­jekt schliess­lich durch­ge­setzt wer­den, ob­schon es in kras­sem Wi­der­spruch zu al­len Emp­feh­lun­gen der Denk­mal­pfle­ge so­wie zahl­rei­cher Fach­leu­te, die sich seit Jah­ren kri­tisch zu die­sem Vor­ha­ben äus­sern, steht. Der Ge­mein­de­rat scheint nicht nur die zer­stö­re­ri­sche Un­ter­füh­rung, son­dern auch das um­strit­te­ne Ve­lo­par­king auf Teu­fel komm raus durch­bo­xen zu wol­len, wie et­wa dem ge­mein­de­rät­li­chen Vor­trag an den Stadt­rat be­tref­fend Aus­füh­rungs­kre­dit zu ent­neh­men ist:

«Die Op­ti­on ei­ner un­ter­ir­di­schen Ve­lo­sta­ti­on im Hir­schen­gra­ben (Bau­stein 2+) wur­de zwar durch­aus kri­tisch be­trach­tet, aber un­ter der Be­din­gung, dass kei­ne gleich­wer­ti­ge Al­ter­na­ti­ve be­steht, mehr­heit­lich ak­zep­tiert. (…). Aus Sicht der fe­der­füh­ren­den Di­rek­ti­on für Tief­bau, Ver­kehr und Stadt­grün (TVS) sind Op­ti­mie­run­gen mög­lich, wel­che den Vor­be­hal­ten der EKD Rech­nung tra­gen sollten.»

Fakt ist: Bis­her sind kei­ne der­ar­ti­gen «Op­ti­mie­run­gen» bekannt.

Nur ein Nein am 7. März kann die­se Sa­la­mi­tak­tik verhindern!

 

Span­nen­de Lektüre:

Das um­fas­sen­de Gut­ach­ten der EKD vom 27. Sep­tem­ber 2018 – lesenswert!

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SBB müs­sen spa­ren – auch beim Bahn­hof Bern

Als Fol­ge der Co­ro­na-Kri­se sis­tie­ren die SBB ei­ne Rei­he gros­ser und wich­ti­ger Im­mo­bi­li­en-Pro­jek­te. Da­mit wol­len sie ab so­fort bis 2025 rund 700 Mil­lio­nen Fran­ken einsparen.

Auch der Mil­li­ar­den-Um­bau im Bahn­hof Bern ist von den Mass­nah­men be­trof­fen: Der ge­plan­te Neu­bau Boll­werk 2–8 wird auf Eis ge­legt. Das Hoch­haus aus den 1970er Jah­ren mit der Ve­lo­sta­ti­on im Erd­ge­schoss hät­te im Rah­men der Bahn­hofs­er­neue­rung ei­nem Neu­bau wei­chen sol­len. Die­ses Vor­ha­ben ist nun vor­erst gestoppt.

An­ders das Ab­bruch- und Neu­bau­pro­jekt beim künf­ti­gen West­aus­gang des Bahn­hofs: Laut Me­di­en­mit­tei­lun­gen hal­ten die SBB am ge­plan­ten Ab­bruch und Wie­der­auf­bau des heu­ti­gen Bu­ben­berg­zen­trums West fest. Zu­min­dest vorläufig.

Dies, ob­schon es ge­ra­de an die­ser Stel­le gros­ses Spar­po­ten­zi­al gä­be: Mit dem Ver­zicht auf das ge­plan­te neue Ge­bäu­de im al­ten Stil, den «un­auf­ge­reg­ten Bu­ben­berg-Neu­bau», wie er von den SBB an­ge­prie­sen wird, könn­ten Mil­lio­nen ein­ge­spart werden.

Statt das erst 1977 er­stell­te be­stehen­de Ge­bäu­de mit der ro­ten Fas­sa­de ab­zu­reis­sen und wie­der hoch­zu­zie­hen, könn­te man es gleich ste­hen las­sen, sanft sa­nie­ren und den künf­ti­gen Bahn­hof­aus­gang Bu­ben­berg­platz in des­sen Un­ter- und Erd­ge­schoss in­te­grie­ren. Oder noch bes­ser: Die­sen Aus­gang nord­wärts, hin­ter die Bo­gen­schüt­zen­stras­se ver­le­gen. Da­mit wür­de die Pas­sa­ge ver­kürzt, die Pas­sa­gie­rIn­nen kä­men noch schnel­ler ans Ta­ges­licht – zu­dem könn­ten da­mit wei­te­re Mil­lio­nen ein­ge­spart werden.

Der in Ver­bin­dung mit dem Hir­schen­gra­ben-Tun­nel ge­plan­te Neu­bau sei die ein­zi­ge Va­ri­an­te, die in­fra­ge kom­me, ver­kün­den die Stadt­be­hör­den und ih­re PR-Bü­ros. Forsch be­haup­ten sie, es gä­be kei­ne Alternative.

Stimmt nicht. Es gibt – wie hier auf­ge­zeigt – rea­lis­ti­sche und prag­ma­ti­sche Lö­sun­gen, die zu­dem den Vor­teil ha­ben, dass sie für ei­ne län­ger­fris­ti­ge, städ­te­bau­lich at­trak­ti­ve Neu­pla­nung des Bu­ben­berg­plat­zes kei­ne Prä­ju­di­zi­en schaffen.

 

 


 

 

 

 


 

 

 

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